Was für ein toller Kampf, was für eine Riesenmoral und welch unglaublicher Teamgeist! Die DSCVOLLEYs haben im ersten Play-off-Halbfinalspiel bei Vorrundensieger Allianz MTV Stuttgart alles in die Waagschale geworfen, großartige Comeback-Qualitäten bewiesen und am Ende den Favoriten mit 3:2 (20:25, 25:18, 15:25, 25:22, 16:14) in die Knie gezwungen. Damit konnten die Schützlinge von Alexander Waibl in der Serie „Best-of-three“ vorlegen und haben nun die Chance, bereits am Mittwoch in der heimischen Margon Arena den Einzug ins Finale perfekt zu machen. Sollte das nicht gelingen, würde die Entscheidung dann am kommenden Sonnabend in Stuttgart fallen.
„Es war eine Berg- und Talfahrt. Nach extrem fehlerbehaftetem Start haben wir uns über Kampfgeist, Willen und enormen Teamgeist in die Partie gekämpft. Dabei hat der Doppelwechsel gut funktioniert und wir haben dann die Punkte zur rechten Zeit gemacht. Insgesamt bin ich happy, wir haben jetzt die beste Ausgangsposition, doch noch haben wir nichts gewonnen. Spielerisch müssen wir uns auf jeden Fall am Mittwoch steigern“, erklärte Alexander Waibl.
Mit der goldenen MVP-Medaille wurde DSC-Zuspielerin Larissa Winter ausgezeichnet, Silber ging an MTV-Regisseurin Melanie Shaffmaster.
Alexander Waibl, der auf die angeschlagene Miku Akimoto verzichten musste, startete mit dieser Formation ins Spiel: Emma Grome im Zuspiel, Marta Levinska auf Diagonal, Jette Kuipers und Lorena Lorber Fijok im Außenangriff, Mette Pfeffer und Amanda Siksna in der Mitte und Patricia Nestler auf der Liberoposition.
Im ersten Satz hatten die Dresdnerinnen einige Mühe, ihren Rhythmus zu finden. Schuld waren vor allem zahlreiche leichte Fehler – allein sieben im Aufschlag, aber auch einige im Angriff. Damit machten sie sich das Leben selbst schwer und es fehlte an der Durchschlagskraft im Angriff. Beim 8:10 nahm Alexander Waibl seine erste Auszeit. Doch eine Aufschlagserie der Stuttgarter Kapitänin Antonia Stautz sorgte für einen 14:9-Vorsprung der Gastgeberinnen. Der DSC-Coach bat sein Team erneut an die Seitenlinie. Doch es half nicht viel, die Stuttgarterinnen blieben am Drücker, setzten sich auf 16:9 ab. Zwar kämpften sich die DSC-Mädels dann ein wenig heran, doch sie fanden nicht wirklich zu ihrem Rhythmus. Auch der Doppelwechsel brachte noch nicht so viel.
Mit Beginn des zweiten Durchgangs wendete sich das Blatt. Nun minimierten die Elbestädterinnen ihre Fehler deutlich. Nach einem Aufschlagpunkt von Lorena Lorber Fijok führte der DSC mit 4:1. Doch die Stuttgarterinnen ließen sich nicht abschütteln, rissen wenig später mit einem 4:0-Lauf das Geschehen mit einem 7:6-Vorsprung wieder an sich. Alexander Waibl reagierte, bat seine Mädels an die Seitenlinie. Nun lieferten sich beide Mannschaften einen Schlagabtausch auf Augenhöhe mit zahlreichen längeren Ballwechseln. Mit einem Ass sorgte Marta Levinska für die erneute Zwei-Punkte-Führung (15:13) für die Gäste und zwang MTV-Coach Konstantin Bitter jetzt ebenfalls zu einer Auszeit. Aber die DSCVOLLEYs waren hellwach, nutzten ihre Chancen im Angriff konsequenter und als die gut aufgelegte Mette Pfeffer den Ball zum 20:17 ins gegnerische Feld beförderte, nahm Bitter die zweite Auszeit. Seine Worte halfen jedoch nicht, die Dresdnerinnen zogen diesen Satz kompromisslos durch – Marta Levinska holte den ersten Satzball heraus und nutzte anschließend auch die erste Chance.
Aber die Achterbahnfahrt ging weiter. Im dritten Abschnitt legten die Gastgeberinnen wieder vor, weil sich beim DSC ein paar leichte Fehler einschlichen. Beim 5:9-Rückstand zog Alexander Waibl wieder den Doppelwechsel, brachte Larissa Winter und Rosa Entius aufs Feld. Als wenig später der MTV durch die Aufgaben von Stautz vermeintlich auf 13:7 davonzog, monierte Alexander Waibl völlig zu Recht einen Aufstellungsfehler bei den Gastgeberinnen. Nach Überprüfung durch die Schiedsrichter wurde das bestätigt und so ging es beim 11:8 für den MTV weiter. Die Gastgeberinnen ließen sich jedoch davon nicht beeindrucken, zogen dennoch auf 15:8 davon. Die Rücknahme des Doppelwechsels und auch eine Auszeit brachten nicht mehr viel. Die Waibl-Schützlinge hatten den Faden völlig verloren.
Und den Rückenwind nahm der Vorrundensieger mit in Satz Nummer vier. Mehrere leichte Fehler bei den DSCVOLLEYS – schon führte Stuttgart mit 4:0. Alexander Waibl zog nun früh den Doppelwechsel und gab wenig später seinen Schützlingen bei einer Auszeit noch wichtige Hinweise. Die fruchteten. Jetzt kämpften sich die Dresdnerinnen Punkt um Punkt heran. Als Jette Kuipers den Ball gefühlvoll über den gegnerischen Block zum 8:8 legte, war das Spiel wieder völlig offen. Der Stuttgarter Trainer Konstantin Bitter nutzte immer wieder die ganze Breite seines Kaders, wechselte mehrfach, doch die Dresdnerinnen hatten dennoch Antworten parat. Larissa Winter setzte ihre Mitspielerinnen gut in Szene und Rosa Entius fand mehrfach die Lücken im gegnerischen Block. In entscheidenden Moment packte zudem der Block zu und auch Patricia Nestler leistete in der Abwehr Schwerstarbeit. In der Crunchtime behielten die DSC-Mädels die Nerven, und Lorena Lorber Fijok versenkte den zweiten Satzball.
Es ging in den Tiebreak, der ebenfalls nichts für schwache Nerven war. Winter und Entius blieben auf dem Feld. Zunächst aber konnte sich der Gastgeber auf 4:1 absetzen und zwang Alexander Waibl wieder sehr früh zur ersten Auszeit. Das wirkte, seine Mädels stabilisierten die Annahme, hechteten in der Abwehr nach jedem Ball und als Lorena Lorber Fijok ein Ass servierte, konnte der DSC mit einem 8:6-Vorsprung zum letzten Seitenwechsel gehen.
Aber Stuttgart blieb der Antwort nicht schuldig. Mit druckvollen Aufgaben, guter Blockarbeit und variablen Angriffen verschafften sich die Stuttgarterinnen wieder Luft und mit einem Schnellangriff über Jasmine Gross holten sie beim 14:11 den ersten Matchball heraus. Aber die DSCVOLLEYs warfen alles in die Waagschale, die drohende Niederlage abzuwenden. Sie wehrten drei Matchbälle ab und Rosa Entius sorgte mit dem Punkt zum 15:14 für den ersten Matchball für den DSC. Als MTV-Diagonalangreiferin Pauline Martin bei einer Abwehraktion mit dem Fuß deutlich übertrat, nahm Alexander Waibl die Challenge, die den gegnerischen Fehler bestätigte, und damit konnten die DSCVOLLEYs nach 127 Minuten den hauchdünnen Sieg bejubeln.