Vom kanadischen Universitätssport direkt in die deutsche Bundesliga: Amanda Siksna hat beim DSCVOLLEY den Sprung in den Profizirkus gewagt. Die Mittelblockerin, die zuvor für die University of Ottawa Gee-Gees auflief, bringt nicht nur ihre beeindruckende Physis mit nach Dresden, sondern auch eine Menge Reflexion über ihren Sport. Für Amanda ist Volleyball mehr als nur Technik – es ist ein Spiel der Instinkte und der tiefen Verbundenheit zum Team.
Die 23-jährige Kanadierin hat in ihrer College-Karriere an der Queen’s University in Ontario mit 140 Blocks die Ontario University Athletics (OUA) in der Saison 2023/24 angeführt und wurde als OUA All-Star ausgezeichnet. Doch wie erlebt sie den Sprung vom Uni-Volleyball in Kanada in die schnelle, professionelle Welt des deutschen Volleyballs?
Seit ihrem Wechsel nach Dresden hat sich Amandas Spiel spürbar gewandelt. Der Übergang war dabei durchaus eine Herausforderung: „Profi-Volleyball läuft in einem ganz anderen Tempo ab als Uni-Volleyball in Kanada – das Spiel ist schneller und die Entscheidungen müssen schneller getroffen werden.“ Um auf diesem Niveau zu bestehen, musste die Kanadierin ihr Spiel anpassen: „Ich musste lernen, viel schneller zu sein, aber trotzdem in langen Ballwechseln ruhig und geduldig zu bleiben.“
Ihre wichtigste Lektion auf dem Feld klingt fast schon philosophisch: „Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist, wie wichtig es ist, gelassen zu bleiben, wenn alles schneller wird.“ Für Amanda liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, den Fokus zu behalten: „Das Tempo kann echt intensiv sein, aber je mehr ich mich darauf konzentriere, den Moment in meinem Kopf zu verlangsamen und meinen Instinkten zu vertrauen, desto besser spiele ich.“
Was Amanda an ihrem Sport und besonders an ihrem aktuellen Team am meisten schätzt, ist das blinde Verständnis untereinander. „Die Eigenschaft, die ich bei meinen Teamkolleginnen am meisten schätze, ist Vertrauen. Volleyball ist so schnell, dass man keine Zeit hat, zu zögern. Da ist es echt wichtig zu wissen, dass die Leute neben einem einen unterstützen.“ Dieses Band wird beim DSC nicht nur im Training geknüpft: „Was ich an unserem Team liebe, ist, dass das Vertrauen nicht nur durch das gemeinsame Spielen entsteht, sondern auch dadurch, dass wir außerhalb des Spielfelds gute Freundinnen sind.“
Dieses soziale Netz hilft ihr auch dabei, die Distanz zu ihrer Heimat zu überbrücken. „Professionell in Deutschland zu spielen ist echt eine coole Erfahrung, aber am meisten vermisse ich einfach, zu Hause bei meiner Familie zu sein. Die Zeit fern von zu Hause war manchmal echt hart, aber ich habe gelernt, mich anzupassen und mir in Dresden ein neues Zuhause aufzubauen. Meine Teamkolleginnen sind zu guten Freundinnen geworden, und dank ihrer Unterstützung fühlen sich das Leben und Volleyball spielen in einem neuen Land viel vertrauter an und ich fühle mich wie zu Hause.“
Abseits der Halle sucht Amanda die Balance, um für die nächste Trainingswoche bereit zu sein. „Wenn ich nicht gerade Volleyball spiele, gehe ich gerne spazieren und erkunde die Stadt – das ist eine super Möglichkeit, den Kopf freizubekommen und neue Orte zu entdecken.“ Aber auch die eigenen vier Wände in Dresden bieten ihr den nötigen Rückzugsort: „Ich genieße auch ruhige Momente zu Hause, egal ob ich ein gutes Buch lese oder beim Kochen einen Film schaue. Diese Balance zwischen Erkundungen draußen und Entspannung zu Hause hilft mir, neue Energie zu tanken.“
Nur eine Kleinigkeit würde sie am liebsten sofort ändern, um den Sport noch flüssiger zu machen – die Regeln für kleine Netzberührungen: „Ich würde die Regel zu kleinen Netzberührungen ändern, vor allem bei Sachen wie Haaren, die das Netz streifen und keinen Einfluss auf den Ballwechsel haben! Trotzdem kann das zu einem Pfiff führen und den Spielfluss stören.“
Als Mittelblockerin bist du oft die „Mauer“ im Team. Wie bereitest du dich mental darauf vor, im entscheidenden Moment den Block zu setzen?
Beim Blocken geht es genauso um mentale Konzentration wie um körperliche Fähigkeiten. Ich bereite mich vor, indem ich die Angreifer der gegnerischen Mannschaft studiere und ihre Tendenzen vorhersage, was mir hilft, im Moment schnell zu reagieren. Während des Spiels bleibe ich präsent und betrachte jeden Spielzug als neue Chance. Ich vertraue auf den Spielplan, bin aber auch bereit, mich anzupassen, wenn sich die Situation ändert.
Welche Fähigkeit einer Außenangreiferin (vom gegnerischen Team) achtest du am meisten – und wie versuchst du, dich im Training darauf einzustellen?
Ich habe echt Respekt vor Außenangreifern, die ihre Schläge/Angriffe gut tarnen können. Diese Spielerinnen sind unberechenbar und halten dich während des ganzen Ballwechsels auf Trab. Im Training arbeiten wir daran, schnelle Blockbewegungen zu machen und uns an den Ansatz und den Armschwung des Angreifers anzupassen.
Wie wichtig ist Timing für deine Position? Hast du eine spezielle Übung, um dein Timing zu perfektionieren?
Das Timing ist für einen Mittelblocker echt wichtig, sowohl beim Blocken als auch beim Angreifen, vor allem weil das Spiel auf Profi-Niveau so schnell ist. Im Training machen wir Übungen, die sich auf Wiederholungen, Beinarbeit und Spiel ähnliche Situationen konzentrieren, damit wir das Timing instinktiv spüren. Besonders beim Blocken habe ich gelernt, wie wichtig es ist, locker zu bleiben und nicht zu raten, wohin der Zuspieler den Ball spielen wird. Wenn ich ruhig bleibe, kann ich das Spiel lesen und im richtigen Moment reagieren, anstatt zu früh zu springen oder zu viel nachzudenken.






